

Die Geschichte des Ziegelhüsi
Es war der Bauherr und erster Eigentümer Johann Rudolf Scheurer (1670–1736) der ca. im Jahre 1700 die «steinerne und mit Ziegel bedeckte Behausung» als leicht zugänglicher und zentral gelegener Umschlagplatz für Weinfuhren aus dem Neuenburgischen errichten liess. Das Merkwürdigste am Ziegelhüsi war eigentlich dessen Bauweise, welche die Namensgebung erklärt. Massives Mauerwerk mit Ziegeldach waren in dieser Zeit praktisch ausschliesslich Repräsentationsbauten vorbehalten. Es erschien als arger Widerspruch, ein «Hüsi» in dieser Bauweise und einem mit Ziegel eingedeckten Dach zu erstellen.
Schon früh war «Scheurers Ziegelhüsi» für «Genuss» und «Lebensfreude» bekannt, wie das Chorgerichtsmanual von Stettlen belegt. So wurde z.B. 1720 einigen Herren der Umgebung wegen «Spiel mit Karten zu verwichener Zeit» eine Strafe von 5 Batzen auferlegt.
Der Wandel vom «Weinhaus», aus welchem der Wein vorwiegend in Fässer oder mitgebrachten Behälter weggetragen wird, zum «Pintenschenkhaus» oder auch «Schenke» genannt, vollzieht «Scheurers Weinschenk» im Jahre 1730. Von nun an wird im Ziegelhüsi der Wein in Kanne, Pinte, Becher und Masskrug ausgeschenkt.
Aus Scheurers Erbschaft ging das Ziegelhüsi im Jahre 1737 in den Besitz von Oberst Albrecht Niklaus von Diessbach über. Für das «Ziegelhüsi» begann eine Zeitspanne der Beständigkeit. Bis ins Jahr 1842 reichten die «wohledelsten, edelfesten und festen» Stadtpatrizier wie Landvögtin Manuel von Trachselwald, Junker Oberst Johann von May, Friedrich Emanuel Zehender, Philipp Rudolf von Sinner, Henriette von Wattenwil, Friedrich Ludwig von Wattenwil, Rudolf Carl August von Wattenwil das Ziegelhüsi von einer Generation zur nächsten weiter.
Ein im Jahre 1904 gelegtes Feuer zerstört das Ziegelhüsi und einen Teil der Kartonfabrik. Der damalige Besitzer, Karl Alfred Grunder, liess in der Folge das Ziegelhüsi ungehend, neu mit Beherbungsrecht, grösser und komfortabler wieder aufbauen.
Gemäss Kaufvertrag aus dem Jahre 1919 erwirbt die Karton- und Papierfabrik Deisswil AG unter Direktor Ulrich Joerg das Ziegelhüsi zu Deisswil für 60'000.– Franken. Es scheint, dass sich die Kartonfabrik mit diesem Kauf zur Diversifikation in eine scheinbar völlig fremde Branche entschloss. Nur scheinbar, denn in Kürze wuchs die Belegschaft der Kartonfabrik sprunghaft an und der Betrieb einer Kantine für die Mitarbeiter erschien unumgänglich. Bald sollte sich auch die Möglichkeit auswärtigen und oft ausländischen Unterhaltsequipen preisgünstige Unterkunft und Verköstigung zu bieten, als sehr nützlich erweisen. Im Jahre 1988 wird das Ziegelhüsi durch die Kartonfabrik umfassend renoviert.
Ab Ende der 80-iger Jahre wird die Kartonfabrik Deisswil AG schrittweise in die MM Karton, ein international tätiger Konzern integriert. 1995 erwirbt eine Miteigentümerschaft bestehend aus den direkten Nachkommen der Gründerfamilien der Kartonfabrik Deisswil das Ziegelhüsi von der MM Karton. Nach dreizehnjähriger Geschäftstätigkeit löst sich im Herbst des Jahres 2008 diese Miteigentümerschaft auf und übergibt das Ziegelhüsi an die neue Besitzerin, die PCF Foodservice AG. Seit Oktober 2008 wird der Betrieb von Christoph & Astrid Harder-Bucher und deren qualifiziertem und motiviertem Team geführt.
